Pressestimmen: Entführung in Klangwelten

Melanchthonkirche: Weihnachtsoratorium mit fantastischem Chor und großartigen Solisten

Bochum. Am Sonntag wurden die ersten drei Kantaten des Werks in der Melanchthonkirche aufgeführt – mit einem fantastischen Chor, großartigen Solisten und einem Orchester, das auf historischen Instrumenten spielte. In der Kirche an der Königsallee herrschte großer Andrang. Es war schwierig einen guten Platz zu ergattern. Diejenigen, die nicht rechtzeitig erschienen waren, mußten daher mit einem der „billigen“ Plätze auf der Empore vorlieb nehmen. Doch egal, auch hier konnte man sich an einer wirklich erstklassigen Darbietung erfreuen. Einfach nur die Augen schließen, lauschen und sich in zarte Klangwelten entführen lassen. Unter den Händen von Kantor Ludwig Kaiser entwickelte sich vom ersten Takt an eine stimmige Interpretation. Die Kantorei der Melanchthonkirche sang in Höchstform und präsentierte sich als geschlossener Klangkörper. Das „Ensemble alouette“ trotzte den Schwierigkeiten der historischen Aufführungspraxis und offenbarte einen filigranen und transparenten Gesamtklang ohne Ecken und Kanten. Die vier Solisten taten ein Übriges, um den Kantaten den letzten Schliff zu geben ... Zwischen den Kantaten hatte Kaiser zwei Vertonungen des „O sacrum convivium“ von Olivier Messiaen und Vytautas Miskinis plaziert, die von einem Projektchor gesungen wurden. Ob das dramatisch oder begründbar oder überhaupt notwendig ist, sei dahingestellt. Es bleibt aber festzuhalten, daß auch diese A-Capella-Sätze durch ihre dichte und stets fein gewobene Klanglichkeit beeindruckten und interessante Kontrapunkte in einem wunderbaren Konzert setzten.

RN 8.12.04